Es liegt auf der Hand, dass die Grösse des Kelches grossen Einfluss auf die Bukett Entwicklung eines Weines und damit auf unser Genusserlebnis hat. Trinken wir beispielsweise einen gehaltvollen, komplexen Rotwein aus einem Glas mit kleinem, schmalem Kelch, so werden sich seine Aromen weniger offen entfalten können, als in einem breiten, voluminösen Kelch.
Nun sind aber nicht zwangsläufig grossvolumige Gläser immer die beste Lösung. Auch die Beschaffenheit des Weines ist entscheidend. Ein leichter dezenter Weisswein – beispielsweise ein Gavi aus Italien – würde in einem 800 ml-Burgunderkelch wahrscheinlich eher Einbussen erleiden, denn seine Intensität reicht nicht aus, um dieses grosse Volumen zu füllen. Der Wein wird in einem kleineren Glas deutlich besser zur Geltung kommen.
Und somit erschliesst sich schnell, weshalb es selbst in der Kollektion einzelner Hersteller so viele, unterschiedlich grosse Gläser gibt. Nahezu jeder Weinstil lässt sich heute mit einem perfekt abgestimmten Glas ergänzen. Grundsätzlich eine tolle Sache. Wer in seinem privaten Keller hohe Priorität auf ein oder zwei Weinstile legt, kann durchaus auch seinen Glasbestand danach ausrichten. Man sollte trotzdem dabei nicht vergessen, dass gelegentlich auch anders geartete Tropfen auf den Tisch kommen, welche möglicherweise auch eine andere Glasform benötigen. Und schon ist die Vitrine voll. Noch schwieriger wird es, wenn man auf grosse stilistische Vielfalt im Weinkeller setzt. Soll für jede Weinart ein eigenes Glas her wird man sich früher oder später verzetteln und darüber hinaus einen riesigen Gläserschrank benötigen.
Es ist also ein Kompromiss gefragt. Doch auch hier kommen uns die Glasmanufakturen mit helfender Hand entgegen. Universalgläser haben mittlerweile bei vielen Herstellern ein enorm hohes Niveau erreicht, so dass sie eine Vielzahl an Weinstilen adäquat mit ihrer Beschaffenheit unterstützen können. Ein gutes Universalglas hat meist ein Volumen von 400 – 500 ml und weisst eine Tulpenform auf, welche einerseits fruchtige Weissweine kompakt präsentieren, andererseits aber auch gehaltvolle Rotweine unterstützen kann. Dies bedeutet zwar nicht, dass alle anderen Glasformen hinfällig sind, jedoch ist es eine vernünftige Strategie, sich zunächst für eine passendes Universalglas als Standard für den heimischen Bedarf zu entscheiden und darüber hinaus für den persönlichen Lieblingsstil noch ein Spezialglas bereit zu halten.