Wein war früher noch viel mehr gesellschaftliches Statussymbol als heute. Hochwertige Weine waren der Oberklasse vorbehalten und dienten Genuss und Repräsentation gleichermassen. Es gab strikte Regeln, welcher Wein zu welcher Gelegenheit kredenzt wurde und wie man mit dem edlen Getränk umzugehen hat. Diese Regeln nicht einzuhalten, galt als Fauxpas.
Das historische Rest-Echo dieser traditionellen Benimmregeln, gepaart mit der eingangs erwähnten, ehrfurchtgebietenden Komplexität des Themas, lassen das Weintrinken noch heute für viele Menschen als elitär erscheinen. Gerade bei Neulingen führt dies nicht selten zu einer verkrampften Herangehensweise und einer Schmälerung des Genusserlebnisses. Insbesondere dann, wenn sich der Sinn einer vermeintlich einzuhaltenden Benimmregel nicht erschliesst.
Dabei lässt sich heute ein deutlich entspannterer Umgang mit Wein zelebrieren. Reine Verhaltensregeln sind beim Weintrinken inzwischen passé. Jeder Mensch darf auf seine eigene Art geniessen – sollte dabei aber wie bei allem im Leben grundsätzlich Rücksicht auf seine Mitmenschen nehmen.
Allerdings haben viele Regeln im Umgang mit Wein auch zum Ziel, den Genuss zu steigern. Diese gilt es zu kennen und vor allem ihren Hintergrund zu verstehen. Denn hat man verstanden, wozu eine Regel da ist, wird man sie zum einen viel bewusster anwenden und zum anderen auch bei Bedarf kreativer umsetzen oder gar abwandeln können.
Wir zeigen Dir im Folgenden anhand einiger prominenter Beispiele auf, weshalb gewisse Regeln existieren und auch, wie sie in gewissen Situationen mitunter individuell ausgelegt werden können. Ein goldener Tipp gleich vorweg: «Würde der Wein profitieren oder Schaden nehmen?», ist der entscheidende Denkansatz, wenn man solche Regeln auf die Probe stellen möchte.