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Weinetiketten verstehen – Teil 2

Wer? erzeugt Was? und Wo? Auf diese drei einfachen Fragen geben alle Weinetiketten genaue Auskunft. Im zweiten Artikel kommen wir heute auf das «Was» zu sprechen. Was erwartet mich, wenn ich diese Flasche öffne? Was ist das für ein Weinstil?

Was ist in der Flasche? Dies ist die wichtige Frage nach dem Weinstil: Weiss- oder Rotwein? Fruchtig oder reif? Trocken oder süss? Leicht oder schwer? Hochwertig oder einfach? Es braucht oft einiges Vorwissen, um von den verschiedenen Indizien auf Weinetiketten möglichst genau auf den Weinstil schliessen zu können.

Diese 6 Angaben helfen, den Weinstil recht exakt zu erahnen:

1. Die Rebsorte

Die Traubensorte ist das stärkste Indiz für den Weincharakter. Steht eine Sorten am Etikett, muss ihr Anteil nach EU-Recht mind. 85 % betragen. Mehrere Sorten müssen absteigend nach ihrem Anteil genannt werden.

Diese sogenannten «Germanische Weinetiketten» (nach Sorte) finden wir mehrheitlich in der Schweiz Deutschland, Österreich sowie den Weinländern der «Neuen Welt». Sie ist beliebt, weil der Weinfreund über die Sorte gut auf den Weinstil schliessen kann. Voraussetzung dafür ist natürlich, dass Sie die Haupteigenschaften der wichtigen Rebsorten kennen. Vom säurereichen Räuschling bis zum schweren Zinfandel. Das lernen Sie im WSET Level 2.

In der «Alten Welt» steht meist nicht die Rebsorte auf den Weinetiketten sondern die Herkunftsregion. Also zum Beispiel Rioja oder Chianti, Pommard oder Pomerol. Hier kommen Sie als Weinliebhaber ums Lernen nicht herum. Denn in jeder der klassischen Weinregionen sind die Rebsorten genau vorgeschrieben. Rioja baut für Rotweine Tempranillo und Garnacha (sowie ein ganz wenig Mazuelo und Graciano) an, Chianti besteht zu 80 % aus Sangiovese (die weiteren Sorten sind frei), Pommard ist ein reiner Pinot Noir und in Pomerol steht auf den kühlen Lehmböden fast ausschliesslich Merlot.

2. Der Jahrgang

Wein muss im Unterschied zu anderen Lebensmitteln kein Ablaufdatum angeben. Dafür steht das Jahr der Ernte auf den Weinetiketten. Als Konsument sollten Sie dann daraus selbst ableiten, wie lange der Wein halten wird. Der Jahrgang ist also in erstere Linie nicht für die Jahrgangsqualität wichtig, sondern vor allem für die Frische des Flascheninhalts.

Ein Sauvignon Blanc bietet typischerweise in den ersten 1-2 Jahren den höchsten Genuss. Der Wein nebenan ist also mit Sicherheit überlagert. Mehr über die Weinlagerung erfahren Sie in diesem Beitrag.

3. Der Alkoholgehalt

Der Alkohol ist (neben dem Extrakt) der wichtigste Bestandteil des Körpers. Je mehr Alkohol, desto schwerer wirkt ein Wein. Ein Blick aufs Rücketikett schafft rasch Klarheit, denn die Angabe in Volumenprozent ist Pflicht.

Das bedeutet der Alkoholgehalt

10 – 12 % vol. → leicht
12 – 14 % vol. → mittelschwer
14 – 16 % vol. → schwer bis wuchtig

Mehr über den Körper des Weins erfahren Sie in diesem Beitrag.

4. Die Lagerung und der Ausbau

Begriffe wie Riserva (Italien), Crianza, Reserva, Gran Reserva (Spanien) weisen auf einen längeren Ausbau hin. Also auf eine Lagerung beim Produzenten. Dabei verfeinern sich beim Rotwein die Gerbstoffe und er ändert seinen Charakter. Die Fruchtnoten treten in den Hintergrund dafür bilden sich so genannte Tertiäraromen: Edelhölzer, Gewürze, Erde oder Pilze.

Mehr über die verschiedenen Aromen im Wein gibts in diesem Beitrag.

​5. Der Einfluss vom Eichenholz

Eichenholz gibt dem Wein Fülle und Aromatik nach Vanille, Caramel oder Kaffee. Allerdings bringen nur relativ neue, kleine Fässer diesen Effekt. Auf den Weinetiketten steht dann je nach Land Barrique, Barrica oder Barrel.

Manche Produzenten behelfen sich mit billigeren Eichenchips. Am Etikett steht dann nicht mehr Barrel Fermented oder Barrel Aged sondern Oak Fermented, Oak Aged…

6. ​Die Restsüsse

Die allermeisten Weine sind trocken. Das heisst, sie sind komplett vergoren und enthalten keinen oder nur ganz wenig Restzucker. Es gibt aber eine ganze Anzahl von Weinen, die mehr oder weniger Süsse zeigen.

Hinweis auf Restsüsse im Wein:

 
LandBegriffe
Deutschland, ÖsterreichKabinett, Spätlese, Auslese, Beerenauslese, Trockenbeerenauslese, Eiswein, Strohwein, halbtrocken, feinherb
FrankreichVendange tardive, séléction de grains nobles, Flétri, vin de paille, grains nobles, moelleux​, doux
ItalienRecioto, passito, amabile, abboccato, dolce
SpanienCream, semi-dulce, dulce
Neue WeltLate Harvest, Botrytis
Schaumweinextra sec/extra dry (!), sec/dry, demi-sec, doux​, rich

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