Einer Klimaerwärmung im Weinbau zu begegnen ist eine enorme Herausforderung. Niemand kann genau vorhersagen, ab wann eine neue Sorte in einer Region tatsächlich besser funktionieren würde, als die bisherige Tradition. Diesen Zeitpunkt aber einfach auf sich zukommen zu lassen, wäre auch fahrlässig. Denn sobald eine solche Umstellung unumgänglich ist, sollte man bereits über gewisse Erfahrungswerte verfügen und generell eine Grundlage für die Vermarktung neuer Weinstile geschaffen haben. Doch auch dies ist leichter gesagt als getan, denn viele Winzer können sich das Experimentieren mit neuen Sorten schlichtweg nicht leisten. Weiterhin können starre gesetzliche Vorschriften einer solchen prophylaktischen Entwicklung im Wege stehen. Von der Akzeptanz derartiger Veränderungen beim Konsumenten ganz zu schweigen.
Für den Moment werden uns die meisten etablierten, regionaltypischen Weinstile daher noch erhalten bleiben. Insbesondere dort, wo Region und Rebsorte untrennbar verbunden sind, wird man alles daran setzen, dieser Tradition so lange wie möglich treu zu bleiben. Dem Winzer bleiben dabei durchaus noch einige Möglichkeiten, einer fortschreitenden Erwärmung entgegenzutreten: Klonselektion, Anpassungen der Erziehungssysteme im Weinberg und verstärkter Fokus auf das individuelle Klima einer einzelnen Lage sind nur einige dieser Optionen. Aus Konsumentensicht zu beobachten, wie sich die stilistischen Profile mancher Weine dabei langsam, aber unaufhaltsam verschieben, kann im Rahmen von Verkostungen überaus spannend sein.
Trotzdem: Wer genau hinschaut, wird auch heute schon die Zeichen des Wandels erkennen. In der Schweiz wird beispielsweise intensiv an sogenannten Zukunftssorten geforscht, die hohe Krankheitsresistenz mit Anpassung an ein potenziell wärmeres Klima vereinen. In Deutschland nimmt die Sorte Merlot im Umfang ihrer Anbaufläche langsam aber sicher zu. In Bordeaux wurde 2021 eine Reihe neuer Rebsorten in begrenztem Umfang zugelassen, um sich gegen die Folgen des Klimawandels zu rüsten – darunter zum Beispiel Touriga Nacional, die in Portugal unter anderem wegen ihrer Trockenheitsresistenz sehr geschätzt wird. Es bleibt mit Spannung zu erwarten, wohin diese Reise führen wird.