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Weinetiketten verstehen – Teil 3

Im dritten und letzten Beitrag zum Thema Weinetiketten kommen wir heute auf das «Wo» zu sprechen. Woher genau stammen eigentlich die Trauben für den Wein, den ich vor mir habe?

Bei allen Weinen mit so genannten «romanischen» Weinetiketten (nach Herkunft) wird nicht die Rebsorte sondern die Herkunft der Trauben angegeben. Diese Ursprungsangabe kann sehr weit oder ganz eng gefasst sein. Ein ganzes Land oder eine Rebbergparzelle. Vereinfacht gilt: Je enger die Herkunft deklariert ist, desto hochwertiger der Wein.

Nach dem neuen EU-Weinrecht fällt Wein in zwei Kategorien: Nämlich mit und ohne geografische Angabe. Wein ohne geografischer Angabe ist nicht näher bestimmt als das Herkunftsland und ersetzt die Klasse der Tafelweine. Wein mit geografischer Angabe ist in zwei offizielle Stufen eingeteilt: 1. die einfachere geografische Angabe und 2. der geschützte geografische Ursprung. Die einzelnen Länder können innerhalb dieser Stufen weiter unterteilen. So unterscheidet etwa Italien den geografischen Ursprung in DOCG- und DOC-Weine.

Dies sind die drei Stufen der Herkunftsangabe, von der engsten zur weitesten:

1. Weinetiketten mit geschütztem geografischen Ursprung

Dies ist die engst gefasst geografische Angabe. Sie kann ein Weingebiet umfassen, eine Gemeinde oder, wie am abgebildeten Etikett, gar nur einen einzelnen Rebberg. Die Ursprungsangabe ist gesetzlich streng reglementiert und kontrolliert. In diesen Bestimmungen ist aber nicht nur die Lage definiert, sondern auch erlaubte Rebsorte(n), Rebbau, Weinbereitung und Ausbau. Diese Art der Weinetiketten verlangt zwar Wissen, gibt dem Kenner dafür aber eine präzise Auskunft über den Weinstil.

Diese Ausdrücke auf Weinetiketten betreffen die Ursprungsangabe:

Bezeichnungen für den geschützten geografischen Ursprung:

 

LandBezeichnung
Frankreich, Schweiz:Appellation d’Origine Contrôlée AOC (oder in Frankreich neu auch Appellation d’Origine Protégée AOP)
ItalienDenominazione di Origine Controllata e Garantita DOCG
Denominazione di Origine Controllata DOC
SpanienDenominacion de Origen Calificada DOC
Denominacion de Origen DO
PortugalDenominação de Origem Protegida
Deutschland, ÖsterreichPrädikatswein
Qualitätswein

2. Weinetiketten mit geschützter geografischer Angabe

Auch die geschützte geografische Angabe bezieht sich auf eine Weinregion oder ein Untergebiet. Sie ist aber meist weit gefasst und schränkt die Rebsortenwahl kaum ein. Zudem hat der Winzer viel Spielraum in Rebberg und Keller.

Weine mit geschützter geografischer Angabe werden deshalb meist in grösseren Mengen, in einfacherer Qualität und zu günstigeren Preisen produziert als Weine mit geschütztem Ursprung. Es gibt aber Ausnahmen.

An diesen Ausdrücken erkennen Sie die geschützte geografische Angabe:​

Bezeichnungen für den geschützten geografischen Ursprung:

In Klammer die Traditionellen Begriffe, die heute noch meist dominieren.

LandBezeichnung
Frankreich:Indication Géographique Protegée (Vin de Pays)
Italien​Indicazione Geografica Tipica
SpanienVino de la Tierra
PortugalIndicação Geográfica Prodegida (Vinho Regional)
Schweiz:Vin de Pays
Deutschland, ÖsterreichLandwein

3. Weinetiketten ohne geografische Angabe

Die einfachsten, günstigsten Weine werden ohne geografische Angabe etikettiert. Trauben können dann aus dem ganzen Produktionsland verschnitten werden. Neu ist die Angabe der Rebsorte und des Jahrgangs erlaubt. So lange diese Kategorie Tafelwein (vin de table, vino da tavola…) hiess, war dies nicht gestattet. Europäische Produzenten waren damit gegenüber der Neuen Welt benachteiligt. Denn in Australien, Kalifornien oder Chile war es schon immer üblich Chardonnay, Cabernet oder Merlot aus dem ganzen Land zusammen abzufüllen und z.B. als California Chardonnay zu etikettieren.

Die Weine ohne geografische Angabe erkennen Sie ganz einfach an diesen Ausdrücken am Etikett: Wein aus Deutschland/Österreich, Vin de France, Vino d’Italia, Vino de España …


 

Je enger die Herkunft, desto grösser das Qualitätsversprechen!

Und es wird noch etwas komplizierter. Innerhalb der Ursprungsstufe (in Frankreich AOC) kann die Herkunft nochmals eingeengt werden. Hier am Beispiel des Burgunds, wo das Ursprungskonzept auf die Spitze getrieben wird:

Für diesen einfachen «Bourgogne» dürfen Trauben aus der ganzen Region Burgund gebraucht werden.

Bie diesem Wein sind Trauben aus verschiedenen Dörfern der Unterregion Côte-de-Beaune gemischt.

In dieser Cuvéee sind Trauben aus verschiedenen Rebbergen im Dorf Pommard gemischt.

Der Wein hier enthält ausschliesslich Trauben der Einzellage «Rugiens» in Pommard.


 

Die Herkunft auf WEinetiketten: Auch in der Neuen Welt wichtig!

Auch in der Neuen Welt spielt die Herkunft für den Kenner eine Rolle. Auch wenn hier die Weine vor allem nach Rebsorte etikettiert sind.

Verschnitt der Trauben vom ganzen australischen Kontinent

Verschnitt von Trauben aus dem ganzen Staat South-Australia

Trauben stammen nur aus der kleinen Unterregion Coonawarra

Die Ausnahme bestätigt die Regel

Manchmal trifft die Faustregel je enger desto besser nicht zu. «Grange» ist unbestritten einer der besten (und mit rund 650 Franken pro Flasche auch einer der teuersten) Australier. Er wird aber dennoch aus Trauben gekeltert, welche im ganzen Staat South Australia wachsen.

Sehe ich aufgrund der Weinetiketten, ob ein Wein gut ist?

Das ist ganz bestimmt diejenige Frage auf die Sie als Weinliebhaber am dringendsten eine Antwort erwarten. Leider muss ich Sie enttäuschen, denn Weinetiketten liefert keine verlässliche Angaben zur Weinqualität.

Auch wenn Medaillen und Begriffe wie «Grand Vin», «Grand Cru», «Premier Cru», «Grosses Gewächs» oder «Erste Lage» Qualität suggerieren – am Ende zählt nur der Wein im Glas. Also bleibt Ihnen nichts anderes übrig als zu lernen, Wein seriös und objektiv zu beurteilen. Wir freuen uns, sie auf diesem Weg zu begleiten!

    1. Lernen Sie, welches die Super-Produzenten sind. Weinzeitschriften wie Vinum, Weinwisser oder Robert Parker’s Wine Advocate leisten Ihnen dabei wertvolle Hilfe.
    2. Lernen Sie auch den Charakter der wichtigsten Sorten kennen. Der WSET Level 2 Award, die Ateliers der Académie du Vin und die regelmässige, systematische Degustation sind der schnellste Weg hierzu.
    3. Lernen Sie guter Letzt die Finessen der Lagen und Terroirs kennen. Spezialisierte Weinbücher, Reisen in die Weingebiete und der WSET Level 3 Award erschliessen dieses Thema.

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