Die wichtigsten Traubensorten weltweit

Nicht weniger als 697 Traubensorten mit ihrer weltweiten Rebfläche listet Kym Anderson, Professor und Direktor des renommierten Wine Economics Research Centre der Universität Adelaide, in seiner Untersuchung «Which Winegrape Varieties are Grown Where?» auf. Die meistangebaute Rebsorte ist im Augenblick Cabernet Sauvignon mit 290’000 Hektar Anbaufläche.

Im Buch Wine Grapes (LINK) von Jancis Robinson, Julia Hardings und dem Schweizer Rebenforscher José Vuillamoz stehen detailliert sogar 1368 Sorten beschrieben.

An der Auflistung der Top-Ten-Trauben weltweit wird auch die Vorbildrolle Frankreichs klar: Sieben der zehn meistangebauten Sorten stammen aus unserem westlichen Nachbarland. Allen voran die beiden Bordeaux-Stars Cabernet Sauvignon und Merlot. Auch die beiden meistangebauten weissen Qualitätssorten stammen aus Frankreich: Chardonnay aus dem Burgund und Sauvignon Blanc von der Loire. Dies ist mit ein Grund, weshalb Frankreich in den WSET-Kursen ein solches Gewicht hat.

Welches sind die weltweit am meisten angebauten Rebsorten?

Die Top-Ten-Traubensorten

Die aktuellste Rebsortenstatistik zeigt einen erfreulichen Trend: Unter den Top-Ten-Rebsorten finden sich nur noch wenige Massenträger. Airén ist einer davon. Die Reben stehen vor allem im riesigen Spanischen Gebiet La Mancha und liefern billige Grundweine für die Sektindustrie und für die Destillation. Eine weitere Sorte für eher anspruchslose Weine ist Trebbiano (in Frankreich Ugni Blanc). Auch sie liefert Grundweine für die Destillation. Unter anderem für Cognac und Armagnac.

Die Plätze 11 bis 20

In der zweiten Hälfte des Tableaus finden sich hingegen noch einige ertragsreiche Sorten für Massenweine: Mazuelo, Bobal und Grasevina zum Beispiel. Aber auch hier ist ein klarer Trend sichtbar. Alle drei verlieren massiv an Rebfläche. zum Teil über 30 % in den vergangenen 10 Jahren


Cabernet Sauvignon braucht viel Wärme, um voll auszureifen. Die warmen Kiesböden im Médoc und Graves unterstützen die Reben dabei.

 


Trendsorten:
Trauben, die stark an Rebfläche gewinnen

Früher waren die meisten der weit verbreiteten Sorten für den Massenanbau bestimmt. Airén belegte jahrzehntelang den ersten Platz in dieser Rebsortenstatistik. In den letzten 10 Jahren hat sich viel verändert. Aus den meistangebauten Rebsorten werden heute Qualitätsweine gemacht. Dieser Trend zeichnet sich auch ab, wenn wir die Liste der Trendsorten betrachten. Dies sind die Trauben, deren Fläche massiv zugenommen hat. Mit Ausnahme von Pinot Gris handelt es sich hier durchwegs um anspruchsvolle Varietäten für die Kelterung von Qualitätsweinen.

  1. Tempranillo
  2. Syrah
  3. Cabernet Sauvignon
  4. Merlot
  5. Chardonnay
  6. Sauvignon Blanc
  7. Pinot Noir
  8. Pinot Gris
  9. Cot
  10. Sangiovese

Eine Bemerkung noch zum Cot (9. Platz im Flächengewinn und aktuell Rang 22 weltweit): In Fachkreisen wird eine Rebsorte immer nach ihrem Urahnen benannt. Die alte französische Sorte Cot ist heute viel bekannter unter dem Namen Malbec. Dasselbe bei Primitivo und Zinfandel. Der Urahn dieser Sorten – und damit die korrekte Bezeichnung – heisst Tribidrag. Weitere solche Beispiele aus der Tabelle sind Grasevina (Welschriesling), Mazuelo (Carignan) oder Monastrell (Mourvèdre).

 


Die spanische Tempranillo liegt voll im Trend! In den letzten 10 Jahren wurden weltweit über 140’000 Hektar neu bestockt. So auch diese junge Anlage in Elgin, Südafrika.

 


Verlierersorten:
Trauben deren Rebfläche stark schrumpft

  1. Airén
  2. Mazuelo
  3. Criolla Grande
  4. Grasevina
  5. Pedro Ximénez
  6. Garnacha Tinta
  7. Trebbiano
  8. Palomino
  9. Bobal
  10. Garnacha Blanca

Der erfreuliche weltweite Trend vom einfachen Massenwein hin zum Qualitätswein wird hier besonders deutlich. Fast alle der 10 Verlierer-Sorten sind Massenträger. Airén, Garnacha Tinta, Garnacha Blanca, Mazuelo und Bobal sind allesamt Spanische Trauben. Dasselbe gilt für die beiden Sherry-Sorten Palomino und Pedro Ximénez. Criolla Grande ist in Argentinien verbreitet, Grasevina in Deutschland, Österreich und Osteuropa. Trebbiano schliesslich liefert viele der einfachen trockenen Weissweine in Italien und Frankreich.

 


Airén ist eine äusserst ertragsreiche Sorte. sie liefert meist einfache, günstige Grundweine für die Sekt- und Spirituosenindustrie. Innert 10 Jahren schrumpfte ihre weltweite Anbaufläche um nicht weniger als 35 %.

 


Worauf achtet der Winzer bei der Rebsortenwahl?

 

«Die neue Parzelle, die ich dieses Jahr anpflanze wird bestimmt über 80 Jahre lang im Ertrag stehen. Weit über meine Zeit hinaus! Ich muss also sehr exakt überlegen, wie ich bestocke: Mit welcher Sorte, welchem Klon auf welcher Unterlagsrebe, in welchem Abstand…»


Nicolas Sinoquet​​
Directeur Château Gruaud-Larose

Hier einige der wichtigen Faktoren, welche der Winzer bei der Rebsortenwahl berücksichtigt:

  • Hoher und regelmässiger Ertrag (geringe Kosten)
  • Im lokalen Klima optimal ausreifend (weder Unter- noch Überreife)
  • Früh oder spät austreibend (Frostgefahr?)
  • Resistent gegen Fäulnis (feuchtes Klima?)
  • Resistent gegen Frost, oder gegen Dürre
  • Kann die Rebe an den Boden angepasst werden? (Wärme, Drainage)
  • Ist der Wein einfach verkaufbar?
  • Entspricht die Sorte dem Stil des geplanten Weins?
  • Entspricht die Sorte den gesetzlichen Vorgaben? (AOP, DOP…)

Der Winzer entscheidet sich aber nicht nur für eine Sorte, sondern für einen bestimmten Klon und eine Unterlagsrebe. Denn auch diese übt Einfluss auf die Weinqualität aus.

Klon

Reben werden nicht geschlechtlich vermehrt sondern durch klonen. In der Regel sind alle Rebstöcke in einem Weingarten genetisch identische Klone eines Mutterrebstockes. Da sich Reben über Jahrtausende durch Mutation langsam verändern, kann der Winzer davon profitieren. Er selektioniert einfach Rebstöcke mit bestimmten positiven Eigenschaften und vermehrt diese durch klonen.

  • z.B. aufwärtswachsend → weniger Arbeit
  • z.B. lockerbeerig → weniger Fäulnisgefahr
  • kleinbeerig und dickschalig → weniger Ertrag, dafür mehr Konzentration an Tannin und Farbe

Unterlagsrebe

Auch bei den den Unterlagsreben (Wurzeln) hat der Winzer die Auswahl aus Dutzenden Sorten. Die Unterlagsrebe hat ja den grossen Vorteil, dass Sie resistent gegen die Reblaus ist. Das ist auch ihr Hauptzweck. Da aber sowieso jede Rebe auf eine reblausresistente Unterlage gepfropfte werden muss, hat der Winzer noch andere Vorteile schätzen gelernt:

  • tief wurzelnd → überlebt auch harte Winter und trockene Sommer
  • viel Wurzelwerk → nimmt viel Nährstoffe und Mineralien auf
  • nimmt wenig Wasser auf → gibt konzentrierte Weine
  • nimmt viel Wasser und Nährstoffe auf → gibt hohe Erträge

Unterlagsreben sind beim Konsumenten kaum bekannt. Viele Weinliebhaber wissen nicht einmal, dass Ihr Pinot Noir – wegen der Reblaus – auf «fremden» Wurzeln steht. Die Wurzelreben haben deshalb auch selten klangvolle Namen. Verbreitete Varietäten sind zum Beispiel SO 4, 125 AA, 5 BB, 101-14 … Aber keine Regel ohne Ausnahme: Es gibt auch eine verbreitete Wurzelrebe mit der poetischen Bezeichnung «Riparia Gloire de Pontpellier».


Aufgepropfte Jungreben nach dem Ausschulen. Der kleine Edelreis wurde in Wachs getaucht um die Pflanze vor dem Austrocknen zu schützen. Die Wurzeln aus Amerikanischen Urreben sind resistent gegen Rebläuse.


Piwi-Sorten: die Zukunft im Weinbau?

Die alten Europäerreben (Pinot Noir, Cabernet Sauvignon, Syrah…) sind zwar beliebt und fein im Geschmack aber leider äusserst anfällig auf diverse Pilzkrankheiten. Deshalb müssen sie regelmässig mit Pflanzenschutz gespritzt werden. Aus Ökologischen (und durchaus auch aus wirtschaftlichen) Überlegungen, züchten Forschungsanstalten wie Geisenheim, Weinsberg oder Agroscope neue Rebsorten, die bis zu 80% weniger Behandlungen brauchen. Diese neuen Sorten sind weitgehend pilzwiederstandsfähig und in Fachkreisen daher unter dem Begriff «Piwi» bekannt.

Das Ziel der Kreuzungen

Das Vorgehen der Züchter bei den Versuchen ist immer dasselbe: Einer bekannten alten Europäersorte soll durch Kreuzung die natürliche genetische Wiederstandsfähigkeit einer Amerikanischen Urrebe verliehen werden. Die Krux dabei: Die Neuzüchtung soll von der Europäerrebe möglichst die ganze Aromatik und den Charakter erhalten und vom Resistenzpartner nur gerade die Wiederstandsfähigkeit (und auf keinen Fall die meist ungewohnte Aromatik).

Die 10 am weitesten verbreiteten Piwis in der Schweiz

Bio Suisse Erhebung 2015/16

  1. Cabernet Jura
  2. Johanniter
  3. Solaris
  4. Maréchal Foch
  5. Regent
  6. Seyval blanc
  7. Muscat bleu
  8. Divico
  9. Souvignier Gris
  10. Léon Millot


Valentin Blattner ist ein profilierter Schweizer Rebenzüchter und Pionier in Sachen Piwis. Seine Sorte VB 5-02 (Valentin Blattner 5-02) ist unter dem Namen Cabernet Jura sehr erfolgreich und bereits international verbreitet.